Der Lebensbaum und die Jahrsiebte

Der Lieblingsbaum

Den ich pflanzte, junger Baum,
Dessen Wuchs mich freute,
Zähl ich deine Lenze, kaum
Sind es zwanzig heute.
Oft im Geist ergötzt es mich,
Über mir im Blauen,
Schlankes Astgebilde, dich
Mächtig auszubauen.
Lichtdurchwirkten Schatten nur
Legst du auf die Matten,
Eh du dunkel deckst die Flur,
Bin ich selbst ein Schatten.
Aber haschen soll mich nicht
Stygisches Gesinde,
Weichen werd ich aus dem Licht
Unter deine Rinde.
Frische Säfte rieseln laut,
Rieseln durch die Stille.
Um mich, in mir webt und baut
Ew’ger Lebenswille.
Halb bewusst und halb im Traum
Über mir im Lichten
Werd ich, mein geliebter Baum,
Dich zu Ende dichten.
Conrad Ferdinand Meyer
Sämtliche Werke in zwei Bänden. Band 2, Artemis und Winkler Verlag, Düsseldorf und Zürich
1996, S. 33 f.

Um uns selbst, die Menschen, mit denen wir zu tun haben und gerade auch unsere Kinder besser zu verstehen, ist es hilfreich, die allgemein menschlichen Entwicklungsphasen zu kennen. Zwar ist jeder Lebensweg individuell und einzigartig, dennoch gibt es Themen und Fragestellungen, die in bestimmten Lebensphasen auftauchen und durchlebt werden wollen.
Der Lebensbaum bietet eine kompakte, leicht verständliche Zusammenfassung der charakteristischen Themen und Motive dieser allgemeinen Lebensphasen.
Schon Solon von Athen (um 640–um 558 v. Chr.), ein Staatsmann, Philosoph und Lyriker des archaischen Griechenlands, beobachtete, dass man die menschliche Entwicklung in Phasen von jeweils sieben Jahren einteilen kann, die je einen eigenen Charakter und ein eigenes Thema haben. Seither sind Entwicklungsphasen im Lebenslauf von verschiedenen Autorinnen und Autoren2 beschrieben worden, auch mit unterschiedlichen Phasenlängen und verschiedenen Überschriften.

 

Gesamter Beitrag als PDF-Download