Arbeiten mit dem Triptychon 1

Meditation zur Gewinnung des Ich
Ich schaue in die Finsternis
In ihr ersteht Licht,
Lebendes Licht.
Wer ist dies Licht in der Finsternis?
Ich bin es selbst in meiner Wirklichkeit
Diese Wirklichkeit des Ich
Tritt nicht ein in mein Erdendasein.
Ich bin nur Bild davon.
Ich werde es aber wieder finden,
Wenn ich,
Guten Willens für den Geist,
durch des Todes Pforte gegangen.
Rudolf Steiner
2. September 1923, GA 286, S. 92

Gerade hatte ich meine Weiterbildung zur Biografieberaterin bei Karl-Heinz Finke abgeschlossen, und nun besuchte ich 2007 zum ersten Mal die Internationale Biografie-Konferenz im niederländischen Rolduc.
Gespannt und neugierig begab ich mich auf Entdeckungsreise in das weite Feld der Biografiearbeit. So landete ich auch in einem Workshop, in dem Rinke Visser uns eine kurze Kostprobe von der Arbeit mit dem Triptychon gab. Nachdem der Workshop vorbei war, wusste ich: Da will ich tiefer einsteigen!
Was ist es, das mir persönlich das Triptychon so kostbar macht? Christine Pflug hat in ihrem Artikel in der Johanniausgabe dieser Zeitschrift über den künstlerischen Blick und das Denken in Bildern geschrieben. Ihr verdanke ich das folgende Zitat von Rudolf Steiner: «Und nur dadurch, dass man sich allmählich gewöhnt, nicht in Worten zu denken, sondern in Bildern, kommt man der geistigen Welt nahe.» (GA 350, S. 94)
Dieses „der geistigen Welt Nahekommen“ war jahrelang Thema und Ziel meiner Arbeit in meinem ersten
Beruf als schreibende und bildende Künstlerin. Meine Frage war: Wie führt der Weg von der Idee (geistige Welt) zur Form (irdische Welt)? Dafür habe ich den künstlerischen Prozess selbst untersucht und zum Thema meiner Texte, Skulpturen und Installationen gemacht. Im Laufe dieser Arbeit stieß ich auf drei nicht physische Räume. Der argentinische Dichter Roberto Juarroz3 hat die Bezeichnung „espacios sin espacio – Räume ohne Raum“ geprägt, die ich hier verwenden möchte.
Im Triptychon begegneten mir diese drei Räume ohne Raum erneut:
1. Der Raum zwischen dem, der durch ein Triptychon geht und dem, der ihn begleitet.
2. Der Raum zwischen den einzelnen Lebensereignissen, die betrachtet werden.
3. Der Raum zwischen den Lebensereignissen und dem Lebens- oder Inkarnationsimpuls.

 

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